Zwi Kanar
JONA
oder
A fish hot mikh nisht ayngeshlungen

Übersetzung aus dem Jiddischen:
Stephan-Ludwig Drechsler

Taschenbuch, 192 Seiten
ISBN 978-3-932434-30-3
18,80 EUR(D)
KAPITEL 8    kapitl acht

Ich lief ohne anzuhalten bis zu den Ruinen von Tel Aviv, die noch von den Zerstörungen durch den Feldmarschall Rommel aus dem Jahre 1942 stammten. Schon von Weitem sah man die riesigen Schornsteine des Krematoriums, wo man die Juden von Erez-Israel umgebracht hatte; der Himmel war noch rot und schwarz von dem Feuer und Rauch. Nur eine Kamelkarawane von Beduinen zog vorbei an den Sanddünen der Stadt. Ich blieb für einen Moment vor einem niedergebrannten Kiosk mit der Losung „Iwri diber iwrit - Hebräer sprecht Iwrith!“ stehen, wo man jüdische Zeitungen verkauft hatte. Und ich flüchtete zurück zum Meer …
 
*
 
Aber ich bin nicht von einem Fisch verschlungen worden …
In den Häfen ging ich ins Theater, anstatt die Zeit in den Bars zu verbringen. Ich wollte die Quintessenz der wahren Theaterkunst herausfinden. In Marseille führte ich einmal ein Mädchen aus einer Bar aus. Aber anstatt mit ihr in ein Stundenhotel zu gehen, ging ich mit ihr ins Theater. „Was soll denn das bedeuten, wenn ein Matrose eine Hure ins Theater schleppt?“, spotteten meine Kameraden über mich. Das Mädchen amüsierte sich aber so dabei, dass sie sich die ganze Zeit an mich anschmiegte und meine Hand hielt, als ob ich ihr Geliebter wäre. Ich war aber bereits nicht mehr bei dem Mädchen.
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